Biene G.U.T. – alles G.U.T.

Als G.U.T.-GRUPPE engagieren wir uns gezielt und bewusst für Bienen. So gibt es über 40 Bienenvölker auf den Betriebsgeländen unserer Partnerhäuser. Viele Aktionen und Workshops für Mitarbeiter und Schulkinder sensibilisieren hinsichtlich der Notwendigkeit, das immer schneller voranschreitende Bienensterben zu verhindern. Warum wir das tun? Weil Bienen unsere Unterstützung brauchen, liefern sie doch über die Bestäubung der Blüten einer Vielzahl an Nutzpflanzen einen wichtigen Beitrag zu unserer Volkswirtschaft. Konkret: Fast ein Drittel aller Lebensmittel entstehen nur dank der Bestäubung durch Bienen. Das ist Grund genug, sich für den Erhalt der Bienen – sowohl der Honigbienen als auch der Wildbienen – einzusetzen.


 

Honig für alle
Ein Bienenstock auf dem Firmengelände? Dieses Experiment starteten wir im Sommer 2017. Mit Unterstützung des Unternehmens „Bee-Rent“ siedelten wir seitdem bei unseren Partnerhäusern über 40 Bienenvölker an. Ein in dieser Dimension außergewöhnliches Zeichen. Mittlerweile sind die Millionen kleiner, fleißiger Honigsammler fester Bestandteil unserer Gruppe und tragen aktiv zur Erhaltung unseres Ökosystems bei. Übrigens: 2019 konnten insgesamt 594,7 kg G.U.T.-Honig geerntet werden. Das sind im durchschnittlich etwa 15 kg pro Haus. Hierfür haben unsere Bienen ca. 90 Milliarden Blüten bestäubt.

 

Schützenswerte Wildbiene
Wildbienen haben eine enorme Vielfalt in Gestalt und Aussehen. Sie existieren in zahlreichen Formen und Farben. Doch Wildbienen haben es nicht leicht und sind von diversen Umwelteinflüssen, an bestimmten Stellen aber auch von der Nahrungskonkurrenz zur Honigbiene bedroht. Früher haben Wildbienen von der Strukturvielfalt der kleinbäuerlichen Landwirtschaft profitiert. Durch die zunehmende Industrialisierung und Versiegelung der Flächen (z.B durch Straßen-, Firmen- und Wohnungsbau) finden sie heute immer weniger Nahrungspflanzen und Nistplätze. Die G.U.T. will gezielt aufklären über die dramatische Entwicklung der Bienen und was jeder Einzelen tun kann. Selbstverständlich achtet die G.U.T.-GRUPPE bei der Aufstellung ihrer Honigbienenvölker unter fachmännischer Anleitung bewusst darauf, dass die bestehenden Wildbienenansiedlungen nicht durch G.U.T.-Honigbienen gestört werden. Denn Vielfalt ist nachhaltige Zukunft – bei den Wildbienen ebenso, wie bei der G.U.T.-GRUPPE.

 

Hintergrundinformationen
Über 2.000 Nutz- und Wildpflanzarten sind bei uns heimisch. Mehr als 80 Prozent von ihnen sind auf die Bestäubungsleistung von Honigbienen angewiesen. Allein in Deutschland erwirtschaften die fleißigen Tierchen jährlich einen volkswirtschaftlichen Nutzen von rund zwei Milliarden Euro und zählen damit zu den weltweit wichtigsten Nutztieren. 

GUTe Bienen

Entsprechend besorgniserregend erscheint die hohe Sterberate der Bienen. So schrumpfte hierzulande die Zahl der Bienenvölker seit 1990 von rund 1,1 Millionen auf etwa 700.000 Völker. Es besteht akuter Handlungsbedarf. Mit gutem Beispiel möchten wir hier vorangehen und mit unserer bundesweiten Bienen-Aktion einen nachhaltigen Akzent setzen. 

 

Interview mit einem Profi-Imker

Aktionen

Herr Schimanski, wie geht es Deutschlands Bienen?
In der Landschaft der Honigbienen verzeichnen wir – sicher verstärkt durch die mediale Berichterstattung – einen Zuwachs an Bienenvölkern. Die Imkervereine bilden sehr viele Hobbyimker aus, die Nachfrage ist groß, dadurch wächst die Population. Grundsätzlich muss man aber wissen, dass die deutsche Honigbiene ohne Imker nicht leben kann. Das ist weiterhin das zentrale Problem. Durch die Varroamilbe ist die Honigbiene existenzbedroht, wenn es keine Imker mehr geben würde. Zurzeit baut die Honigbiene auf die Hobbyimker. Mit  Bee Rent schaffen wir darüber hinaus den Ausgleich, dass der Berufsimker die Möglichkeit hat, von seiner Arbeit zu leben.

War das Bienensterben Anlass zur Gründung Ihrer Firma Bee Rent im Juli 2015?
Es war ein Anlass. Damals habe ich angefangen, darüber nachzudenken, was man tun kann, um der Biene zu helfen. Natürlich kann man sich dann im Bereich der Pflanzen tummeln, aber eigentlich hat die Honigbiene kein Ernährungsproblem. Wir haben Blüten ohne Ende und können noch viel mehr Bienenvölker gebrauchen. Das Problem lag eher daran, dass es keine Grundlage gibt, als Imker von der Biene zu leben. Deshalb haben wir ein Konzept entwickelt, Unternehmen von der Biene als Nachhaltigkeitsprojekt zu überzeugen und im Zuge dessen, die gesamte Dienstleistung in diesem Bereich anzubieten.

Was bietet Bee Rent?
Wir bieten Unternehmen an, in Nachhaltigkeit zu investieren. Und das, indem sie bei uns ein Bienenvolk mieten, das dann auf dem Firmengelände steht und im Umkreis von 3 bis 5 Kilometern Bestäubung leistet. Die Unternehmen bekommen einmal im Jahr den Honig, den das Bienenvolk vor Ort gesammelt hat. Sie haben damit also etwas Einzigartiges in der Hand – vom eigenen Bienenvolk produzierten Honig.

Im Jahr 2017 hat die G.U.T.-GRUPPE Bienenvölker in über 40 Partnerhäusern angesiedelt. Was war das Besondere an diesem Projekt?
Das Projekt der G.U.T.-GRUPPE, also über 40 Bienenvölker zu mieten, war für uns etwas ganz Besonderes. Das erste Mal hatte ein Kunde unser tatsächlich weltweit einzigartiges Konzept in großem Stil angenommen hat. Und im Zuge dessen habe ich über 40 Bienenvölker an über 40 Standorte in Deutschland geliefert. Die G.U.T.-GRUPPE war der erste größere Kunde, der uns die Bestätigung gegeben hat, dass dieses Konzept funktioniert.

Wie werden die Bienen von Bee Rent betreut?
Die Grundidee war ursprünglich, dass ich das gesamte Projekt von meinem Büro aus steuere und Hobbyimker vor Ort die Betreuung übernehmen. So bin ich auch gestartet und habe über die Imkervereine versucht, adäquate Hobbyimker zu bekommen. Nach den ersten Erfahrungen hat sich dann etwas ganz anderes entwickelt: Berufsimker sind auf mich zugekommen und haben gefragt, ob sie Bee Rent in ihrer Region anbieten können. Heute haben wir ein Franchisekonzept, mit dem wir bereits 70 Prozent von Deutschland abdecken. Um die Bienen kümmern sich also Imker, die zum Großteil Berufsimker sind und ein Gewerbe anmelden. Die Zuverlässigkeit und Qualität im Umgang mit dem Lebewesen Biene ist damit optimal erfüllt. Damit sind wir auf einem sehr guten Weg – und ich nicht mehr ganz so viel unterwegs.

Wie viele Bienen kommen in den G.U.T.-Völkern eigentlich zusammen?
Rund 2 Millionen Tiere.

Und wie viel Honig sammeln die G.U.T.-Völker in etwa im Jahr?
Im Jahr 2018 waren es etwa 800 Kilogramm. Das war schon toller Honig.

Ist das G.U.T.-Bienenprojekt für Sie gelebter Umweltschutz?
Genau das ist es. Ein Bienenkasten macht vor allem im Frühjahr bis zu 20 Millionen Blütenbestäubungen. An jedem einzelnen Tag. Das ist ein Biokraftwerk. Und die G.U.T.-GRUPPE hat davon 40. Wenn wir das weiterdenken: Bienen sind Nutztiere. Jedes Bienenvolk produziert in Deutschland 2.500 Euro volkswirtschaftlichen Nutzen. Das heißt, die Bienenvölker der G.U.T.-GRUPPE kommen auf jährlich rund 100.000 Euro in der Bundesrepublik. Lassen Sie mich das am Beispiel eines Rapsfeldes verdeutlichen: Raps ist ein Selbstbestäuber, aber mit einem Bienenvolk in der Nähe, steigt der Rapsertrag automatisch um 20 Prozent. Der Landwirt verdient damit mehr Geld. Nicht umsonst steht die Biene in der Weltrangliste der Nutztiere auf Rang drei unter dem Gesichtspunkt des volkswirtschaftlichen Nutzens.

Was fasziniert Sie persönlich an Bienen?
Es ist die Komplexität und diese absolute Verlässlichkeit in so einem Organismus. Man stellt fest, dass die Abläufe kein Zufall sind, sondern sich über 100 Millionen Jahre gehalten haben. Ein Bienenvolk ist unsterblich, weil es sich immer wieder in sich selbst erneuert. Es  ist faszinierend zu sehen, was die Biene leistet, was sie macht, und wie wichtig dieser Organismus für uns alle ist. Die Biene ist tief in mir verankert, ich lese gerne jeden Artikel über Bienen und natürlich ist es ein Traum, so etwas wie Bee Rent aufbauen zu dürfen.

Gehen Kinder und Erwachsene ähnlich mit dem Thema Biene um?
Kinder und Erwachsene eint die Begeisterung. Wir haben Schulklassen hier, die von den Tieren fasziniert sind, gleichzeitig wollen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Firma dabei sein, wenn wir den Honig vor Ort ernten. Sie machen Bilder, posten, schicken sie mir. Die freuen sich einfach. Eine Firma hat sogar eine eigene WhatsApp-Gruppe gegründet, in der es seit drei Jahren nur um die Bienen geht. Das ist nicht kindisch, sondern eine hohe Emotionalität. Diese haben wir bei Erwachsenen und bei Kindern.

Abschließend eine ganz praktische Frage. Summt eine Biene um den Frühstückstisch im Garten herum, kommt gleich Panik auf. Wie erklären Sie das?
Die Wahrnehmung, dass eine Biene um den Frühstückstisch fliegt, ist schon verkehrt. Das sind zu 99,9 Prozent Wespen. Ich habe im Garten 30 Bienenvölker. Wir können eine Grillparty veranstalten und haben nicht eine Biene dabei. Eine Biene muss man sich so vorstellen: Sie kommt aus dem Bienenstock heraus und hat im Kopf, dass sie jetzt 1,5 Kilometer südöstlich fliegen muss, weil dort die Linde blüht. Dann fliegt die - und es ist ihr völlig egal, ob sie auf dem Weg dahin über drei Millionen Blüten, drei Millionen Kuchen oder drei Millionen Colas fliegt. Sie will zur Linde. Das ist das Besondere bei der Biene, sie ist blütenstet. Wenn Sie bei der Linde war und die Linde gibt Nektar, dann fliegt sie nichts anderes an. Und wenn es der einzige Lindenbaum unter all den Apfelbäumen ist.

Interview mit einer Wildbienen-Expertin

Wir haben mit Alina Förster, Wildbienen-Expertin der Deutschen Wildtier Stiftung, gesprochen über Chancen und Bedrohungen der Wildbienen in Deutschland.

Frau Förster, wir hören immer wieder, dass Bienen schützenswert sind. Aber gilt das für Honigbienen und Wildbienen gleichermaßen? Kann man Wildbienen und Honigbienen gleichzeitig unterstützen?

Wildbienen und Honigbienen teilen sich Nahrungsressourcen. Die meisten Wildbienenarten benötigen, wie die Honigbiene, Nektar und Pollen als Nahrung für sich und ihre Brut. Der größte Teil der Wildbienen lebt solitär, ein Weibchen versorgt ihre Brut also alleine. Das Weibchen nutzt seine kurze Lebensspanne von einigen Wochen um Pollen für ihre Brut zu sammeln und geht danach zu Grunde. Honigbienen hingegen bilden Staaten von mehreren zehntausend Individuen und beuten die Nahrungsressourcen aus, um auch Vorräte für den Winter anlegen zu können (Honig). Wenn es ein ausreichendes Angebot an Nahrungspflanzen gibt, ist die Konkurrenz zwischen wilden und domestizierten Bienen gering.

Was muss man konkret dabei beachten?
Es ist wichtig den Bienen ausreichend Nahrungspflanzen zur Verfügung zu stellen.
Viele Wildbienenarten sind Spezialisten, das bedeutet, dass sie ganz besondere Ansprüche an ihre Nahrung und an ihren Nistplatz haben. Deshalb ist es außerdem wichtig, Pflanzen anzubieten, die diese Spezialisten benötigen. Ein Beispiel dafür ist die Glockenblumen-Scherenbiene: hier sammeln die Weibchen den Pollen für ihre Brut nur an Glockenblumenarten. Es gibt Bereiche wie z.B. Naturschutzgebiete, die für Wildbienen äußerst wertvoll sind. Dort sollten keine Honigbienen gehalten und ein Mindestabstand von 3 km zwischen Honigbienenstöcken und diesen Gebieten eingehalten werden.

Was kann für die Wildbiene eine Nahrungskonkurrenz mit den Honigbienen bedeuten?

Die Nahrungskonkurrenz bedeutet, dass der Nektar und Pollen bereits von der Honigbiene genutzt wurde und Wildbienen „leer“ ausgehen. Insbesondere für hoch spezialisierte Wildbienenarten ist es ein Problem, wenn der Generalist Honigbiene bereits die Nahrungsressourcen genutzt hat, auf die sie angewiesen sind.

Was bedroht die Wildbiene konkret?

Der Verlust an Nahrungsressourcen und Brutplätzen durch Versiegelung von Flächen und die artenarme Gestaltung von Grünflächen und Gärten in Städten sowie Monokulturen in der Agrarlandschaft. Auch die Züchtung neuer (nektar- und pollenloser) Zierpflanzen für Gärten ist ein Problem, dies sind vor allem gefüllten Zuchtformen von z.B. Astern oder Margeriten.

Kann man auch für Wildbienen eine Art Bienenstock bauen?

Etwa 70 % der Wildbienenarten nisten im Erdboden. Für diese Arten sind offene Boden oder Sandflächen ein idealer Nistplatz. Für die restlichen Arten können Nisthilfen gebaut werden, die so genannten Wildbienen-Hotels. Einige der Bienenarten ziehen in vorhandene Hohlräume ein, diese finden sie in der Natur in Totholzstämmen und in Nisthilfen können diese durch Bohrungen in Holz hergestellt werden. Je nach Wildbienenart sollten diese Bohrungen unterschiedlich groß sein und Größen von 2 bis 8 mm entsprechen.

Wie genau muss so ein Wildbienenhotel aussehen und wo macht das Sinn?

Eine Wildbienen-Nisthilfe sollte immer trocken und sonnig stehen, am besten nach Süden ausgerichtet. Für die Nisthilfe sollte Hartholz (Esche, Buche...) verwendet werden. Es sollten Löcher mit unterschiedlich großem Durchmesser (2, 4, 6, 8 mm) in die Längsseite des Holzes gebohrt werden (da, wo vorher die Rinde war). Einige Arten bauen sich ihre Gänge selbst in markhaltigen Stängeln wie Holunder oder Brombeere, auch solche Stängel kann man anbieten. Für grabende Arten lassen sich ebenfalls Strukturen schaffen wie Pflanzkästen, die mit sandigem Lehm gefüllt und senkrecht aufgestellt werden.

Was kann man persönlich tun, um die Wildbiene zu schützen?

Als Garten- und selbst als Balkonbesitzer lassen sich Wildbienen über geeignete Pflanzen fördern. Minze, Salbei und Thymian sind nicht nur für uns Menschen nützlich, sondern auch für Bienen. Schauen Sie auf unserer Internetseite nach, welche Pflanzen außerdem wildbienenfreundlich sind. Auch etwas weniger Ordnung in unseren Gärten kann positive Effekte auf Wildbienen haben: Rasen etwas länger lassen und so Gänseblümchen und Löwenzahn blühen lassen, Totholz an einem sonnigen Ort stapeln oder vertrocknete, markhaltige Stängel z.B. von Königskerzen im Winter stehen lassen.
Was erleben Sie an Reaktionen, wenn Sie über den Unterschied zwischen Honigbiene und Wildbiene aufklären. Ist das den Menschen so bewusst?
Nein, viele Menschen haben bisher nicht darüber nachgedacht, wer die kleinen Blütenbesucher im Garten genau sind. Meist sind sie sehr überrascht, wenn wir berichten, dass es fast 600 Wildbienenarten in Deutschland gibt. Auch wenn Interessierte auf uns zukommen, die bereits Vorwissen haben, ist vielen nicht bewusst, dass Wildbienen nicht in Staaten leben und auch keinen Honig produzieren. Häufig bekommen wir nach unseren Vorträgen und Exkursionen die Nachricht, dass Teilnehmende nun Wildbienennester in ihren Gärten entdeckt oder Wildbienen erkannt haben und nun mithelfen wollen, sie zu schützen und zu fördern.

Was wünschen Sie sich für die Wildbienen in Deutschland?

Viele Wildbienenarten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, ich wünsche mir natürlich, dass durch das Engagement der Deutschen Wildtier Stiftung die Bestände der Wildbienen steigen. Dazu sollte auch die Landwirtschaft wildbienenfreundlicher werden. Hier ist vor allem die Agrarpolitik gefragt, die den Landwirten Anreize bieten sollte, um wildbienenfreundlicher zu wirtschaften.

Vielen Dank.