Biene G.U.T. – alles G.U.T.!

Ein Bienenstock auf dem Firmengelände? Dieses Experiment starteten wir im Sommer 2017. Mit Unterstützung des Unternehmens „Bee-Rent“ siedelten wir seitdem bei über 40 Partnerhäusern ein eigenes Bienenvolk an. Warum nicht bei allen? Weil einige Häuser bereits über ein eigenes Volk verfügten. Ein in dieser Dimension außergewöhnliches Zeichen, das auch die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zog. So wurde die Auftaktveranstaltung in Bremen von Presse und Kameras verfolgt. Mittlerweile sind die Millionen kleiner, fleißiger Honigsammler fester Bestandteil unserer Gruppe und tragen aktiv zur Erhaltung unseres Ökosystems bei.

GUTe Bienen

Hintergrund:
Über 2.000 Nutz- und Wildpflanzarten sind bei uns heimisch. Mehr als 80% von ihnen sind auf die Bestäubungsleistung von Honigbienen angewiesen. Allein in Deutschland erwirtschaften die fleißigen Tierchen jährlich einen volkswirtschaftlichen Nutzen von rund zwei Milliarden Euro und zählen damit zu den weltweit wichtigsten Nutztieren. Entsprechend besorgniserregend erscheint die hohe Sterberate der Bienen. So schrumpfte hierzulande die Zahl der Bienenvölker seit 1990 von rund 1,1 Millionen auf etwa 700.000 Völker. Es besteht akuter Handlungsbedarf. Mit gutem Beispiel möchten wir hier vorangehen und mit unserer bundesweiten Bienen-Aktion einen nachhaltigen Akzent setzen. 

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Interview mit einem Profi-Imker

Aktionen

Herr Schimanski, wie geht es Deutschlands Bienen?
In der Landschaft der Honigbienen verzeichnen wir – sicher verstärkt durch die mediale Berichterstattung – einen Zuwachs an Bienenvölkern. Die Imkervereine bilden sehr viele Hobbyimker aus, die Nachfrage ist groß, dadurch wächst die Population. Grundsätzlich muss man aber wissen, dass die deutsche Honigbiene ohne Imker nicht leben kann. Das ist weiterhin das zentrale Problem. Durch die Varroamilbe ist die Honigbiene existenzbedroht, wenn es keine Imker mehr geben würde. Zurzeit baut die Honigbiene auf die Hobbyimker. Mit  Bee Rent schaffen wir darüber hinaus den Ausgleich, dass der Berufsimker die Möglichkeit hat, von seiner Arbeit zu leben.

War das Bienensterben Anlass zur Gründung Ihrer Firma Bee Rent im Juli 2015?
Es war ein Anlass. Damals habe ich angefangen, darüber nachzudenken, was man tun kann, um der Biene zu helfen. Natürlich kann man sich dann im Bereich der Pflanzen tummeln, aber eigentlich hat die Honigbiene kein Ernährungsproblem. Wir haben Blüten ohne Ende und können noch viel mehr Bienenvölker gebrauchen. Das Problem lag eher daran, dass es keine Grundlage gibt, als Imker von der Biene zu leben. Deshalb haben wir ein Konzept entwickelt, Unternehmen von der Biene als Nachhaltigkeitsprojekt zu überzeugen und im Zuge dessen, die gesamte Dienstleistung in diesem Bereich anzubieten.

Was bietet Bee Rent?
Wir bieten Unternehmen an, in Nachhaltigkeit zu investieren. Und das, indem sie bei uns ein Bienenvolk mieten, das dann auf dem Firmengelände steht und im Umkreis von 3 bis 5 Kilometern Bestäubung leistet. Die Unternehmen bekommen einmal im Jahr den Honig, den das Bienenvolk vor Ort gesammelt hat. Sie haben damit also etwas Einzigartiges in der Hand – vom eigenen Bienenvolk produzierten Honig.

Im Jahr 2017 hat die G.U.T.-GRUPPE Bienenvölker in über 40 Partnerhäusern angesiedelt. Was war das Besondere an diesem Projekt?
Das Projekt der G.U.T.-GRUPPE, also über 40 Bienenvölker zu mieten, war für uns etwas ganz Besonderes. Das erste Mal hatte ein Kunde unser tatsächlich weltweit einzigartiges Konzept in großem Stil angenommen hat. Und im Zuge dessen habe ich über 40 Bienenvölker an über 40 Standorte in Deutschland geliefert. Die G.U.T.-GRUPPE war der erste größere Kunde, der uns die Bestätigung gegeben hat, dass dieses Konzept funktioniert.

Wie werden die Bienen von Bee Rent betreut?
Die Grundidee war ursprünglich, dass ich das gesamte Projekt von meinem Büro aus steuere und Hobbyimker vor Ort die Betreuung übernehmen. So bin ich auch gestartet und habe über die Imkervereine versucht, adäquate Hobbyimker zu bekommen. Nach den ersten Erfahrungen hat sich dann etwas ganz anderes entwickelt: Berufsimker sind auf mich zugekommen und haben gefragt, ob sie Bee Rent in ihrer Region anbieten können. Heute haben wir ein Franchisekonzept, mit dem wir bereits 70 Prozent von Deutschland abdecken. Um die Bienen kümmern sich also Imker, die zum Großteil Berufsimker sind und ein Gewerbe anmelden. Die Zuverlässigkeit und Qualität im Umgang mit dem Lebewesen Biene ist damit optimal erfüllt. Damit sind wir auf einem sehr guten Weg – und ich nicht mehr ganz so viel unterwegs.

Wie viele Bienen kommen in den G.U.T.-Völkern eigentlich zusammen?
Rund 2 Millionen Tiere.

Und wie viel Honig sammeln die G.U.T.-Völker in etwa im Jahr?
Im Jahr 2018 waren es etwa 800 Kilogramm. Das war schon toller Honig.

Ist das G.U.T.-Bienenprojekt für Sie gelebter Umweltschutz?
Genau das ist es. Ein Bienenkasten macht vor allem im Frühjahr bis zu 20 Millionen Blütenbestäubungen. An jedem einzelnen Tag. Das ist ein Biokraftwerk. Und die G.U.T.-GRUPPE hat davon 40. Wenn wir das weiterdenken: Bienen sind Nutztiere. Jedes Bienenvolk produziert in Deutschland 2.500 Euro volkswirtschaftlichen Nutzen. Das heißt, die Bienenvölker der G.U.T.-GRUPPE kommen auf jährlich rund 100.000 Euro in der Bundesrepublik. Lassen Sie mich das am Beispiel eines Rapsfeldes verdeutlichen: Raps ist ein Selbstbestäuber, aber mit einem Bienenvolk in der Nähe, steigt der Rapsertrag automatisch um 20 Prozent. Der Landwirt verdient damit mehr Geld. Nicht umsonst steht die Biene in der Weltrangliste der Nutztiere auf Rang drei unter dem Gesichtspunkt des volkswirtschaftlichen Nutzens.

Was fasziniert Sie persönlich an Bienen?
Es ist die Komplexität und diese absolute Verlässlichkeit in so einem Organismus. Man stellt fest, dass die Abläufe kein Zufall sind, sondern sich über 100 Millionen Jahre gehalten haben. Ein Bienenvolk ist unsterblich, weil es sich immer wieder in sich selbst erneuert. Es  ist faszinierend zu sehen, was die Biene leistet, was sie macht, und wie wichtig dieser Organismus für uns alle ist. Die Biene ist tief in mir verankert, ich lese gerne jeden Artikel über Bienen und natürlich ist es ein Traum, so etwas wie Bee Rent aufbauen zu dürfen.

Gehen Kinder und Erwachsene ähnlich mit dem Thema Biene um?
Kinder und Erwachsene eint die Begeisterung. Wir haben Schulklassen hier, die von den Tieren fasziniert sind, gleichzeitig wollen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Firma dabei sein, wenn wir den Honig vor Ort ernten. Sie machen Bilder, posten, schicken sie mir. Die freuen sich einfach. Eine Firma hat sogar eine eigene WhatsApp-Gruppe gegründet, in der es seit drei Jahren nur um die Bienen geht. Das ist nicht kindisch, sondern eine hohe Emotionalität. Diese haben wir bei Erwachsenen und bei Kindern.

Abschließend eine ganz praktische Frage. Summt eine Biene um den Frühstückstisch im Garten herum, kommt gleich Panik auf. Wie erklären Sie das?
Die Wahrnehmung, dass eine Biene um den Frühstückstisch fliegt, ist schon verkehrt. Das sind zu 99,9 Prozent Wespen. Ich habe im Garten 30 Bienenvölker. Wir können eine Grillparty veranstalten und haben nicht eine Biene dabei. Eine Biene muss man sich so vorstellen: Sie kommt aus dem Bienenstock heraus und hat im Kopf, dass sie jetzt 1,5 Kilometer südöstlich fliegen muss, weil dort die Linde blüht. Dann fliegt die - und es ist ihr völlig egal, ob sie auf dem Weg dahin über drei Millionen Blüten, drei Millionen Kuchen oder drei Millionen Colas fliegt. Sie will zur Linde. Das ist das Besondere bei der Biene, sie ist blütenstet. Wenn Sie bei der Linde war und die Linde gibt Nektar, dann fliegt sie nichts anderes an. Und wenn es der einzige Lindenbaum unter all den Apfelbäumen ist.