WILDBIENEN – Schützenswertes Singleleben ohne Hofstaat

Wildbienen-SchutzEs gibt rund 590 Arten von der Wildbiene in Deutschland. Wildbienen haben eine enorme Vielfalt in Gestalt und Aussehen. Manche ähneln im Aussehen der Honigbiene, aber auch die verschiedenen Hummelarten gehören zu den Wildbienen. Sie existieren in zahlreichen Formen und Farben. Dabei können sie leicht mit Schwebfliegen oder Wespen verwechselt werden. Die meisten Wildbienen sind pelzig behaart, andere jedoch sind wiederum fast kahl. Manche haben so klangvolle Namen wie Sandbiene, Gartenwollbiene, Seidenbiene oder Gemeine Löcherbiene. Die kleinste Wildbiene Deutschlands ist die nur vier Millimeter große Sand-Steppenbiene. Die größte Wildbiene ist mit drei Zentimetern die Blaue Holzbiene. 95 Prozent aller Wildbienen-Arten leben als Einzelgänger. Nur wenige Wildbienenarten leben vergleichbar wie die Honigbiene in Völkern.

Wildbienen gehören, wie die Honigbiene, innerhalb der Insektenordnung der Hautflügler zur Familie der Bienen. Sie sind jedoch meist Einzelgänger und leben solitär. Nur die Hummeln sowie einige Arten der Furchenbienen besitzen eine soziale Lebensweise. Zunehmend wird die Bedeutung von Wildbienen für unsere Volkswirtschaft erkannt. So bestäuben Wildbienen zwei Drittel aller Pflanzen und sind vor allem hinsichtlich Ihrer Vielseitigkeit der Nahrungsaufnahme wichtig für den Bestäubungsprozess vieler Nutzpflanzen, wie von einer Reihe an Obstbäumen. 

Fortpflanzung

Die Weibchen solitärer Wildbienen bauen ihre Nester ohne Hilfe von Artgenossen. Im Laufe seines vier- bis achtwöchigen Lebens baut das Weibchen allein 4 bis 30 Brutzellen und versorgt sie mit allem, was die Larve zum Gedeihen braucht. Stets wird eine Zelle fertiggestellt, bevor mit der nächsten begonnen wird.

Spezialisten

Etwa 30 Prozent aller nestbauenden Wildbienen sind auf den Pollen ganz bestimmter Pflanzenfamilien, -gattungen oder sogar -arten angewiesen, um ihren Nachwuchs zu versorgen. Man nennt diese Arten oligolektisch.

Aussehen

Bienen lassen sich unter anderem an ihrem flauschigen Pelz erkennen. Besonders bei den nestbauenden Bienen ist die Behaarung stark ausgeprägt. Dabei reicht die Färbung über rot, braun, weiß bis hin zu gelb oder orange und ist nahezu einzigartig unter den Stechimmen. An dem sehr feinen Pelz bleiben viele Pollen hängen, den die Bienen zur Versorgung ihrer Brut benötigen. Das machen die einzelnen feinsten Härchen, die gefiedert oder gegabelt sind, möglich.

Notwendiger Artenschutz

Wildbienen sind besonders bedroht. Etwa die Hälfte aller rund 590 Wildbienenarten in Deutschland stehen auf der Roten Liste. Derzeit sind 5,5 Prozent der heimischen Wildbienenarten massiv vom Aussterben bedroht, 35,2 Prozent sind gefährdet und 7,5 Prozent stehen kurz davor. Auch die immer größeren Felder mit Monokultur führen dazu, dass die Wildbienen nicht mehr genug Nahrung finden. Nur kurze Zeit blüht es, dann liegen die Felder brach und die Bienen finden weit und breit keine Nahrung mehr und verhungern. Hinzu kommen die vielen Gifte in der modernen Landwirtschaft. Pestizide und chemische Dünger töten die Wildbienen nicht nur direkt, sondern sie sammeln sich oft auch im Boden an. Da mehr als die Hälfte aller Wildbienen im Boden nistet oder überwintert, sind sie dort Pestiziden zusätzlich ausgesetzt. Sie werden krank, Eier und Larven werden unfruchtbar oder verkrüppeln.

Lebensraum geht verloren
Früher haben Wildbienen von der Strukturvielfalt der kleinbäuerlichen Landwirtschaft profitiert. Durch die zunehmende Industrialisierung und Versiegelung von Flächen (wie durch Wohnungs- oder Straßenbau) finden sie heute immer weniger Nahrungspflanzen und geeignete Nistplätze. Die Ansprüche von Wildbienen an ihren Lebensraum sind nicht besonders kompliziert: Naturnah sollte es sein, mit vielen Ecken und Nischen, sonnigen Plätzen und Schatten sowie einer Vielzahl an Wildblumen, die das ganz Jahr über blühen. Eigentlich nicht schwer und noch vor wenigen Jahrzehnten fanden sich solche Orte überall in der Landwirtschaft. Diese Lebensbedingung gilt es zu erhalten und zu gestalten. Da kann jeder Einzelne einen kleinen Beitrag dafür leisten - zum Beispiel mit dem Bau eines Bienenhotels.

 

Schon gewusst? 10 erstaunliche Fakten über Wildbienen

Hummel ist auch eine WildbieneFrühstarter: Einige Wildbienen sind schon früh im Jahr bei niedrigen Temperaturen unterwegs. Während die Honigbiene erst bei etwa 12°C losfliegt, ist etwa die Hummel bereits bei 3 °C, die Gehörnte Mauerbiene bei 4 °C und die Rostrote Mauerbiene ab 10 °C auf Tour.

Fleißige Bestäuber: Eine Hummel (gehört zu den Wildbienen) besucht in der selben Zeit bis zu vier Mal so viele Blüten wie eine Honigbiene.

Schlafende Bienen: Nachts, bei schlechtem Wetter oder in sehr heißen Mittagsstunden ziehen sich Wildbienen an geschützte Orte zurück. Einige Arten kuscheln sich sogar eng in Blütenköpfen zusammen.

Kurzes Leben: Wildbienen leben nur etwa vier bis sechs Wochen. In dieser recht kurzen Lebensspanne schaffen es Weibchen maximal 30 mit Pollen versorgte und befruchtete Brutzellen anzulegen.

Blütentapete: Einige Mauerbienenarten kleiden ihre Nester mit Blütenblättern aus. Die Leinbiene beispielsweise transportiert Blütenblattstückchen von Gelb-Lein oder Zotten-Leim in ihre Erdnester.

Vielfalt in Form und Größe: Die kleinste heimische Wildbiene ist die Schmalbiene, sie erreicht etwa 4 Millimeter und ist somit etwa so groß wie ein Reiskorn. Zu den größten Wildbienen zählt die Blaue Holzbiene, die etwa 30 Millimeter groß ist.

Einzelkämpfer: Die meisten Wildbienen leben solitär, das heißt die Weibchen bauen ihre Nester allein und versorgen die Brutzelle ohne die Hilfe ihrer Artgenossen.

Im Einsatz für den Nachwuchs: Zur Versorgung eines einzigen Nachkommens sind je nach Wildbienenart zwei bis 50 Pollensammelflüge notwendig.

Vom Ei zur Biene: Frisch geschlüpfte Wildbienen verlassen ihr Brutzelle meist genau ein Jahr nach der Eiablage.

Unterirdisch: Fast 50 Prozent der Wildbienen nisten unter der Erde – entweder in den Gängen anderer Insekten, oder in selbstgebauten Niströhren. Ein Viertel aller Wildbienen-Arten Mitteleuropas baut keine eigenen Nester. Diese sogenannten Kuckucksbienen schmuggeln ihre Eier in die Brutzellen anderer Wildbienen.

(Quellen: Deutsche Wildtier Stiftung, beebetter.de, Naturefund.de, Schweizerische Bienen-Zeitung, 123 (2000), NABU.de)

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